Die feierliche Abschlussveranstaltung des Projekts Following Traces und Stolpersteinverlegung in Dortmund-Hörde

Am 10. November 2025 fanden eine Stolpersteinverlegung in Dortmund-Hörde und die feierliche Abschlussveranstaltung des Projekts Following Traces am Karl-Schiller-Berufskolleg statt.

Über mehrere Monate hinweg waren Schülerinnen und Schüler des KSBK und unserer niederländischen Partnerschule, dem Deltion College in Zwolle, den Spuren der jüdischen Familie Grüneberg gefolgt. Diese Familie lebte vor dem Zweiten Weltkrieg in Dortmund-Hörde, floh vor den Nationalsozialisten nach Zwolle, wurde dort verhaftet und schließlich in den Todeslagern Sobibor und Auschwitz ermordet.

Die Schülerinnen uns Schüler begaben sich auf eine bewegende und intensive Spurensuche an den historischen Orten: In Dortmund besuchten sie u. a. die Steinwache, das vormalige Gestapo-Gefängnis, und in Amsterdam die Schouburg, ein ehemaliges Theater, das die Nazis als Sammelstelle der jüdischen Bevölkerung missbrauchten. Dem Völkermord gedachten die Schülerinnen und Schüler im früheren Durchgangslager Westerbork in den Niederlanden und in den damaligen Todeslagern Majdanek und Sobibor im Osten Polens. In Lublin erkundeten sie die jüdische Geschichte der Stadt. In Zwolle schließlich standen ein Besuch der jüdischen Gemeinde und Synagoge sowie eine Präsentation des gesamten Projektes auf dem Programm.

In englischsprachigen Videokonferenzen, Stadtführungen, Gedenkstättenbesuchen sowie zahlreichen kreativen Workshops erarbeiteten die niederländischen und deutschen Schülerinnen und Schüler gemeinsam beeindruckende Ergebnisse: Es wurden Bilder-Collagen und eine Gedenkmappe erstellt, fiktive Gedichte und Kurzgeschichten aus der Perspektive der Opfer verfasst, Instagram-Reels über die Fahrten gedreht und durch detektivische Archivarbeit die Geschichte der Grünebergs nahezu lückenlos recherchiert. Die teilweise erstmals entdeckten Daten und Fakten zum Leben, zur Verfolgung und Ermordung dieser Familie wurden der Gedenkstätte in Sobibor für weitere Forschungen übergeben und dienten als Grundlage für die nun erfolgte Stolpersteinverlegung in Dortmund-Hörde.

In der Recherchegruppe für die Stolpersteine waren Schülerinnen und Schüler des Bildungsganges „Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste“ aktiv, in den anderen Gruppen waren dies Berufsschülerinnen und -schüler der Bildungsgänge „Kauffrau/-mann für Büromanagement“, „Veranstaltungskauffrau/-mann“, „Kauffrau/-mann für audiovisuelle Medien“. Hinzu kam eine Schülerin aus dem Beruflichen Gymnasium.

Begleitet wurde das gesamte Projekt durch das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund IBB e. V., die großzügige Finanzierung erfolgte durch die Stiftung Erinnerung Verantwortung und Zukunft EVZ.

Zur Stolpersteinverlegung an der Beukenbergstraße 2 in 44263 Dortmund-Hörde kamen knapp 100 Personen aus Dortmund und den Niederlanden. Die Schülerinnen des KSBK fungierten als Patinnen der Stolpersteine und berichteten vom tragischen Schicksal der Familie Grüneberg. Schülerinnen und Schüler der Goethe-Schule steuerten musikalische Beiträge bei und der Kantor der jüdischen Kultusgemeinde Dortmund, Herr Abraham Goldberg, rezitierte auf Hebräisch ein bewegendes Gebet zum Gedächtnis für die Familie. Als Zeichen der Erinnerung und der Wertschätzung zündeten die Anwesenden Kerzen an. Die verlegten Stolpersteine erinnern an Hugo, Martha, Bernhard, Fanni und Edith Grüneberg.

Im Anschluss präsentierten die Projektteilnehmenden ihre Ergebnisse am KSBK. Nach Grußworten unseres Schulleiters Dr. Uwe Wiemann und von Nadine Metzner, Vertreterin der EVZ-Stiftung, stellten die Schülerinnen und Schüler ihre vielfältigen Arbeiten vor. Anwesend waren neben den Projektteilnehmenden, Förderern und Partnern auch Gäste aus den Niederlanden, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie interessierte Schülerinnen und Schüler unserer Schule. Die Veranstaltung verdeutlichte, dass das Projekt Following Traces nicht nur breites Wissen über die Vergangenheit vermittelt, sondern auch eine Brücke in die Gegenwart geschlagen hat: Aus der Geschichte lernen heißt, sich für die Würde aller Menschen, gerade der Schwächsten der Gesellschaft, zu engagieren und sich für den Erhalt unserer Demokratie sowie ein friedliches Miteinander in Europa und der Welt einzusetzen.